Erst Open Banking, jetzt Open Insurance – es geht nicht mehr ohne Digitale Plattformen

Digital Bancassurance, Open Banking, Financial Home… immer mehr Trends entstehen am Markt. Und jetzt folgt das nächste Trendwort: Open Insurance. Aber was ist damit gemeint? Gibt es diesbezüglich bereits eine Richtlinie à la PSD2? Und wer profitiert davon? Diese und weitere Fragen werden im folgenden Artikel beantwortet.

Wie alles begann…

Spulen wir einmal 1 Jahr, 5 Monate und 4 Tage zurück. Wir schreiben den 14.09.2019: Die Richtlinie PSD2 tritt in Kraft und bringt die Bankenbranche in Aufruhr. Drittanbietern (darunter auch Versicherer) ist es nun möglich, Zugriff auf die Bankdaten ihrer Kunden zu bekommen, vorausgesetzt letztere stimmen dem zu. FinTechs, Versicherer, Händler und Co. können nun in der Rolle eines Zahlungsauslösers (Payment Initiation Service Provider, PISP) oder eines Kontoinformationsanbieters (Account Information Service Provider, AISP) agieren. Beispielsweise können sie Kontoanalysen durchführen und den Kunden darauf aufbauend personalisierte Angebote unterbreiten (Open Banking).

Bisher war dies jedoch nur eine Einbahnstraße, d. h. Versicherer können sich per PSD2 Schnittstelle an Banken andocken, jedoch gibt es noch keinen einheitlichen Schnittstellenstandard, der es Banken erlaubt, Zugriff auf Versicherungsdaten zu erhalten. Doch nun setzen sich verschiedene Unternehmen des Versicherungs- bzw. InsurTech-Sektors dafür ein, dass die Straße beidseitig befahren wird; heißt: Banken und andere Drittdienstleister sollen auch Zugriff auf die Versicherungsdaten ihrer Kunden bekommen, und zwar per einheitlichem Schnittstellenstandard nach dem Vorbild der PSD2 (Open Insurance).

Erste Bestrebungen einer Open Insurance bereits Anfang 2020

Das Zauberwort auf dem Weg zum einheitlichen Schnittstellenstandard im Versicherungssektor heißt FRIDA (Free Insurance Data Initiative). FRIDA ist eine Initiative, die von dem Plattformanbieter Friendsurance und dem Insurlab Germany bereits im Januar 2020 ins Leben gerufen wurde.

Diese beinhaltet im Wesentlichen 3 Kernpunkte:

  1. den Aufbau neuer und bestehender Schnittstellen
  2. den Austausch von Daten gemäß hoher Sicherheitsstandards und
  3. die Zusammenarbeit bei der Erstellung einer einheitlichen Datenstruktur

Im initialen Austausch wurde überlegt, in welcher Form offene Schnittstellen organisiert werden sollten, sodass Versicherungsunternehmen, Makler und Kunden gleichermaßen davon profitieren. Im Mittelpunkt stand dabei, welche Learnings aus den Erfahrungen im Bereich Open Banking gezogen werden können, um geeignete Use Cases zu entwickeln. Das oberste Ziel war bzw. ist immer noch, Schnittstellenstandards zu schaffen, bevor Regulatoren wie die BaFin sie vorgeben.

Profiteure sind Banken, Kunden und Versicherungsplattformen

Vor 1,5 Jahren waren es noch die Banken, die infolge der PSD2 gezwungen waren, die Datenhoheit über den Kunden an Dritte abzugeben. Nun ergeben sich im Zuge der Open-Insurance-Chancen für Banken, ihre Bancassurance-Modelle voranzutreiben. Ihre Erfahrungen mit Open Banking bilden eine gute Basis, eine mögliche Open-Insurance-Bewegung zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Nach einer Bitkom-Umfrage können sich knappe 50% der Deutschen vorstellen, ihre Versicherungsangelegenheiten über ihr Online-Banking zu erledigen. Kunden tendieren immer mehr dazu, im Sinne eines „Financial Home“, die finanziellen Angelegenheiten über eine einzige App bzw. eine digitale Plattform zu regeln. An oberster Stelle steht für die Nutzer eine schnelle Abwicklung von Versicherungsangelegenheiten unter Beibehaltung der Souveränität über die eigenen Daten.

Aus Kundensicht wunderbar, aus Versicherersicht eher herausfordernd, da die Exklusivität im eigenen Vertrieb durch omnipräsente Vergleichsangebote von Drittanbietern gefährdet wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen Versicherer ihre Produktstrategie neu denken.

Offene Versicherungsplattformen nicht ohne JDC, Friendsurance & Co.

Aus den aufgeführten Punkten ist ersichtlich: Nach den Banken steuern auch die Versicherer geradewegs in die Plattformökonomie. Und hier ist es wichtig, Early Bird zu sein, oder in Google-Sprache: auf der ersten Seite zu landen, denn wer schaut bei Google schon auf die zweite Seite der Suchergebnisse?

Und der Plattform-Boom ist in vollem Gange, denn die Finanzakteure suchen sich bereits Unterstützung. Banken und Versicherungen verfügen zwar über einen riesigen Kundenstamm, jedoch sind sie nicht dafür bekannt, eine digitale Plattform, insbesondere aus technischer Sicht, selbst zu implementieren. Darüber hinaus haben Banken und Versicherer erkannt, dass neben dem reinen Versicherungsvergleich, eine ganzheitliche Betreuung der Kunden mit Bedarfsanalyse und online Versicherungswechsel ein großes Geschäftspotenzial mit sich bringt. Bei diesen Punkten ist die Expertise der Finanzdienstleister jedoch eingeschränkt. Die bereits bestehenden Plattformen sind keine Entwicklungen der großen Institute. An dieser Stelle kommen die technologischen Anbieter ins Spiel. JDC, Friendsurance, Hypoport & Co. wirken im Hintergrund als Whitelabel-Plattform-Anbieter und sorgen bereits wegen ihrer Kooperationen mit Banken, Sparkassen und Versicherern für Schlagzeilen. Ihre digitalen Plattformen punkten mit einem umfangreichen Funktionspaket, welches den Alltag aller Beteiligten, insbesondere den von Endkunden, deutlich erleichtert.

Die Entwicklungen zeigen: ob Digital Bancassurance, Open Banking oder Open Insurance, eines ist sicher: egal welches Trendwort verwendet wird, alle haben eines gemein: Sie zeigen den unausweichlichen Weg von Finanzdienstleistern direkt in die Plattformökonomie.

Autoren: Stefan Roßbach & Raik Borkowski

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